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Praktikanten, mal wieder

Im Laufe des letzten Herbstes habe ich wieder jungen Leuten die Chance auf ein Praktikum gegeben.

Thomas* kommt aus eigenem Antrieb, um sich vorzustellen. Er nennt seinen Namen und sofort weiß ich, dass ich seinen Großvater kenne, er ist Kunde bei uns. Außerdem haben wir öfter zusammengearbeitet, als er im Museum als Restaurator tätig war. Darüber hinaus hatte dieser mich vor Jahren einmal gefragt, ob sein Enkel eventuell einmal bei uns lernen könnte. All das liegt lange zurück.
Ich frage also: „Wie geht es deinem Opa, der hat doch früher im Museum gearbeitet?“
Achselzucken, große Verwunderung. „Echt? Krass. Wusste ich nicht, glaube ich nicht, der ist doch immer zuhause.“ Ich erkläre ihm, dass sein Großvater ja nicht als Rentner auf die Welt kam und ein langes Arbeitsleben hinter sich hat. Thomas bleibt skeptisch.
Wir vereinbaren ein Praktikum und müssen leider wieder feststellen, dass hier jedes Engagement umsonst ist. Es gelingt uns eine Woche lang nicht, ihm das Glasschneiden beizubringen. Die allereinfachste Übung, die jeder Schülerpraktikant nach ein paar Minuten versteht und ausführen kann, kann er nicht nachvollziehen. Wir üben wirklich tagelang, unser Lehrling hat eine unendliche Geduld mit ihm, Thomas lernt es nicht. Er lernt es so derartig nicht, dass ich schon überlege, ob das ein Spaß mit versteckter Kamera ist, aber es ist wirklich so. Er kann es einfach nicht. Auch in der Theorie ist ihm nichts zu vermitteln, gar nichts. Der Großvater war ein begnadeter Handwerker, hier ist davon leider nichts zu entdecken.
In der zweiten Woche breche ich das Praktikum ab, schicke ihn nach Hause. „Aber es war immer so nett hier!“ sagt er. Ja, das genügt aber nicht, erkläre ich, da muss auch irgendwann eine Leistung erkennbar sein. Ich glaube nicht, dass dieser junge Mann jemals irgendeinen Beruf erlernen kann, nicht den einfachsten. Es ist ein Trauerspiel.

Kalle* hatte wohl auch mal Schulbildung versucht, allerdings ohne Erfolg. Er sagt, er sei bereit, jetzt etwas für seinen Aufstieg zu tun und wolle mal bei uns mitmachen, „vielleicht erträgt man das ja sogar. Aber dann muss ich morgens auch so früh hier sein, wie die Gesellen, oder? Ich versuch’s auf jeden Fall mal.“
Er hat keine Lust. Er begreift das Prinzip Arbeit nicht, er wartet sehnsüchtig auf den Feierabend, auf die Couch, auf den Spieleabend am PC. Irgendwann sage ich ihm, er solle nach dem Frühstück die Kellertreppe fegen. Unser Sozialraum liegt im Keller und die Treppe muss eigentlich immer gefegt werden. Als ich mittags in den Keller gehe, ist die Treppe nicht gefegt. Ich frage nach und bekomme zur Antwort: „Ach, sollte ich das wirklich machen?“ „Ja, das solltest du wirklich. Also dann jetzt, sofort.“ Nachmittags ist die Treppe gefegt, der gesamte Dreck liegt auf dem unteren Treppenabsatz. „Warum hast du den Dreck nicht aufgefegt und rausgebracht?“ frage ich mit erhöhtem Pulsschlag. „Na, ich dachte, mit unseren Arbeitsschuhen, da wird das doch sofort wieder sandig, das wäre ja total sinnlos, das wegzumachen.“ Er meint das ernst, vollkommen. „Dann brauchen wir ja morgens auch nicht aufzustehen“, sage ich scherzhaft, „wir gehen ja sowieso am Abend wieder ins Bett. Das ist ja dann auch total sinnlos.“ Er grübelt. Und darf dann gehen. Vielleicht grübelt er immer noch, man weiß es nicht.

Wir bekommen irgendwann einen Anruf von einer Betreuungsgesellschaft, ob wir einem jungen Mann die Chance eines Praktikums geben würden. Na klar. Ich recherchiere und stelle fest, dass die Gesellschaft mit Behinderten arbeitet. Ob das funktionieren wird, weiß ich nicht, bin aber gespannt, wer da wohl kommen mag. Und dann steht eines Tages ein auffallend kleiner Afrikaner, etwas schüchtern, aber ganz neugierig, was nun wieder mit ihm passiert, bei uns im Büro. Sein Betreuer erzählt, dass er im Alter von 10 Jahren aus Ghana nach Deutschland gekommen sei, hier bei seinem Vater lebe, und auch den Hauptschulabschluss erreicht habe. Das finde ich ganz beachtlich, wenn man bedenkt, dass er erst die Sprache erlernen musste. Er habe bereits einige Praktika hinter sich, erfahre ich, „aber das war alles nichts.“
Wir vereinbaren ein zweiwöchiges Praktikum, einen Tag in der Woche hat er außerdem Schule.
Er ist der beste Praktikant seit langer Zeit. Aufgeschlossen, einsatzwillig, immer gut gelaunt, mit strahlendem Lächeln und glänzenden Augen, überhaupt nicht dumm, wir sind ganz begeistert. Eine Behinderung hat er übrigens nicht. Er hat Spaß an der Arbeit und macht große Lernfortschritte, nur manchmal hat er Schwierigkeiten, wenn er irgendwelche Wörter nicht kennt. Das ist für uns natürlich nachvollziehbar. Man erkennt daran sehr gut, wie selbstverständlich für uns alles ist. Für ihn sind die Schrauben einer sehr bekannten Marke vom Verstehen her „Spatzschrauben“. Ich ermuntere ihn darauf hin, uns mit Fragen zu löchern, und die Gesellen, immer zu prüfen, ob sie wirklich richtig verstanden wurden.
Mittlerweile haben wir das Praktikum verlängert und er hat reelle Chancen, im Herbst einen Ausbildungsvertrag zu bekommen. Und wir haben auch erfahren, dass er bei seinen anderen Praktika entweder wochenlang nur putzen musste, oder ihm gleich gesagt wurde, er wäre für das Handwerk nicht geeignet, „so mit Kundenkontakt“, zweifellos eine Anspielung auf seine Hautfarbe. Für uns ist Hautfarbe oder Religion kein Thema, hier muss man nur ins Team passen, arbeiten und sich benehmen können. Ich habe allerdings die Befürchtung, dass wir uns früher oder später mit dem Thema beschäftigen müssen und habe daher die Gesellen angewiesen, im Falle von negativen Äußerungen oder Ablehnung die Kunden vor die Wahl zu stellen, ihre Einstellung noch einmal zu überdenken, oder anderenfalls auf die Ausführung des Auftrages zu verzichten. Bisher haben wir allerdings keine negativen Tendenzen festgestellt. Ich hoffe, das bleibt so.

*Die Namen wurden geändert.

1 comment to Praktikanten, mal wieder

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